Das Knie ist übrigens hin. Futsch. Genauergesagt der Knorpel. Nach einem Besuch beim Arzt, einer Überweisung zum Orthopäden, von dort einer Überweisung zum MRT und einem weiteren Besuch beim Orthopäden zur Verkündigung der Diagnose steht das fest. Es ist futsch in einer Art und Weise, bei der man nichts reparieren, sondern nur operativ Schadensbegrenzung betreiben kann. Normale Verschleißerscheinung, in meinem Fall eben ziemlich früh und ziemlich heftig. Der im übrigen ziemlich unsympathische Orthopäde wurde auch nicht müde, mir wiederholt zu erzählen, das ich ja noch keine 80 sei. Ach was. Die OP macht dann auch ein mir als sehr viel kompetenter empfohlener Kollege. Leider erst Ende Januar.
Seitdem ich die Diagnose habe und weil sich die Beschwerden mittlerweile als so gut wie-Dauerzustand erwiesen haben, falle ich immer wieder von einem Zustand in den anderen:
Panik, das es durch die OP nur geringfügig oder gar nicht besser wird und ich nie wieder richtig laufen, rennen, wandern, treppensteigen, radfahren, kurz, mich bewegen können werde. Geschichten von anderen Kniegeschädigten, die inzwischen wieder wie junge Rehe durchs Leben hüpfen sind in den Kommentaren sehr willkommen!
Panik, in dem Zeitraum bis zur OP – noch über zwei Monate! – durch mein tagtägliches Leben und die dazugehörigen Bewegungen den Schaden noch zu verschlimmern.
Auf meine Fragen, was ich bis dahin tun bzw. lassen sollte, um nicht noch mehr kaputtzumachen, sagte der Orthopäde nur: Sie sind ja noch keine 80, da würde ich Ihnen die OP doch sehr empfehlen. – Ja, aber wie sollte ich mich bis dahin verhalten? – Sie sind noch keine 80…
Letztendlich führte das dazu, das ich am gleichen Tag noch ziemlich aufgelöst meinen Hausarzt aufsuchte, der mir bei diesen Fragen dann wenigstens weiterhelfen konnte. Möglichst wenig Beugebelastungen (Treppensteigen u.ä.), möglichst wenig schwere Lasten durch die Gegend tragen, geradeaus laufen ist aber relativ unbedenklich, solange ich dabei keine Beschwerden habe. Hätte mir das der Orthopäde nicht auch einfach sagen können? Wie gesagt, die OP macht dann ein anderer.
Panik, dass das zweite Knie bald die gleiche Grätsche macht. Es ist schließlich aus demselben Genschlamm gebaut, genauso alt und trägt seit Jahren das gleiche Gewicht duch die Welt wie das erste. Zudem verlagere ich zur Zeit, um das kaputte Knie zu schonen, sehr häufig das Gewicht auf das noch nicht so kaputte.
Natürlich auch Panik, das bei der OP irgendwas schiefgehen könnte. Man hört ja immer so viel. Überhaupt, so eine OP… Ich muss dazusagen, ich bin in meinem ganzen Leben noch nie operiert worden. Ich habe, ausgenommen die ersten Tage meines Lebens, noch nie im Krankenhaus gelegen. Und habe jetzt vor beidem eine ziemliche Angst. Und was Krankenhäuser angeht ohnehin seit diesem Jahr ein mittelschweres Trauma.
Angst vor Spritzen. Hatte ich immer schon. Nicht vor den Nadeln übrigens, Blut abnehmen ist bei mir gar kein Problem, ich darf nur nicht hinsehen. Aber Spritzen, bei denen etwas reingespritzt wird, die finde ich irgendwie ganz schlimm, unangenehm, ekelhaft, schmerzhaft. Und ich habe mal gehört, nein, schon mehrfach gehört, nein, sogar schon mitbekommen, das es nach solchen OPs täglicher Thrombosespritzen bedarf. Die man sich auch noch selbst geben muss, wenn die Klinik einen nach einem Tag stationärem Aufenthalt heimschickt. Ok, ich habe hier einen ausgebildeten Sanitäter im Hause, der sowas vermutlich ziemlich gut kann, aber dennoch. Spritzen!
Angst, meinen kleinen Aushilfsjob, das einzig sinnvolle, das ich derzeit zu tun habe (abgesehen davon, das ich das Geld auch gut brauchen kann), der aber leider phasenweise mit unumgänglichem Treppensteigen verbunden ist, vorerst nicht mehr zu schaffen und so dort irgendwann vielleicht nicht mehr gebraucht zu werden.
Überhaupt so ein Gefühl von Gelähmtsein, von Eingesperrtsein, weil ich, je nachdem, wie stark die Schmerzen gerade sind, versuche, Belastungen nach Möglichkeit zu vermeiden und bei allen Dingen, die so zu besorgen und zu erledigen sind, überlege, was davon jetzt wirklich wichtig und dringend ist und was vielleicht erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben werden kann. Lieber nicht zuviel unterwegs sein, lieber das Knie schonen.
Dazwischen immer mal wieder das Aufflackern der Hoffnung, das nach der OP die Beschwerden weitgehend weg sind und ich wieder alles machen kann: laufen, rennen, tanzen, radfahren, wandern, treppensteigen, auf Bäume klettern… Geschichten von nach Knorpelglättungen wieder fröhlich umherspringenden jungen Rehen bitte in die Kommentare.
Und Dankbarkeit, eine Freundin in der Nachbarschaft zu haben, die Physiotherapeutin ist und mir hilft, das Knie mit hübschen bunten Klebebändern verziert einigermaßen unbeschadet – soweit davon noch die Rede sein kann - über die Zeit bis zur OP zu bringen.
Aber auch Angst, ab jetzt auch so eine Neverending Story mit dem Knie zu erleben wie sie.
Gut, wenn dieses Jahr endlich vorbei ist. Das nächste muss einfach besser werden.