Die Ärztin hatte mich schon vor einigen Wochen darauf vorbereitet: Der Professor aus Süddeutschland, mit dem sie über meinen Fall gesprochen hatte, hätte erwähnt, das es möglicherweise auch mit einer Lactoseintoleranz zusammenhängen könnte, das diese in ganz seltenen Fällen eben nicht die üblichen Beschwerden hervorrufen könnte, sondern solche, wie ich sie habe. Da hatte ich das noch nicht sonderlich ernst genommen. Klar, ich würde das untersuchen lassen, aber ich und Lactoseintoleranz? Niemals! Wo ich doch Käse in allen Variationen über alles liebe…
Gestern dann der Test. Ein sogenannter Atemtest. Am Tag vorher nachmittags zum letzten Mal essen, am morgen nicht einmal Zähne putzen, denn auch in der Zahnpasta kann was sein. Bäh. Im Labor dann ins Röhrchen pusten, wie man das auch von der Polizeikontrolle kennt, hier allerdings mit zugeklammerter Nase und solange der Atem reicht.
Nach dem ersten Pusten wird das Frühstück serviert: 50g Milchzucker in einem Becher Wasser aufgelöst. Hmmmm, lecker! Ein Milchkaffee wäre mir lieber gewesen. Nachdem ich den Cocktail runtergewürgt habe, darf ich ein halbes Stündchen draußen Platz nehmen, Lisbeth Salander und Mikael Blomquist leisten mir Gesellschaft. Dann geht es wieder rein zum Pusten, außerdem wird mir in den Finger gepiekst, denn der Blutzuckerwert soll auch gemessen werden.
So geht das den ganzen Vormittag: ein halbes Stündchen lesen, dann einmal pusten, einmal Finger pieksen, weiterlesen. Beim dritten Pusten frage ich die Labormitarbeiterin, wie es denn aussieht. Es sieht gut aus, sagt sie, wenn da was wäre, müssten die Werte schon deutlich höher sein. Schön. Ich freue mich, das mich weiter ganz normal ernähren kann und gehe erleichtert weiterlesen.
Dann beim nächsten Pusten fragt mich die Mitarbeiterin, ob ich irgendwelche Beschwerden hätte. Habe ich nicht, bis auch ein leichtes Bauchgrummeln, das ich auf die mittlerweile 17 Stunden Nahrungsentzug zurückführe. Da grummelt mein Bauch schonmal, wenn er so lange nichts bekommt. Ich puste und die Mitarbeiterin reißt die Augen auf, sagt: Oh, jetzt steigt der Wert aber ganz schön an! Das müssen wir mal weiter beobachten! (Eigentlich wollten sie mich nach diesem Durchgang gehen lassen. Wenn der Wert weiter unten geblieben wären…)
Also bleibe ich, lese und puste weiter. Beim nächsten Mal ist der Wert nochmal deutlich angestiegen, danach ist er quasi auf dem gleichen Stand geblieben. Dann darf ich gehen.
Lactoseintoleranz also. Das ist ein harter Schlag. Mir, die ich mich in meinem Leben noch durch alle Käsesorten Frankreichs essen wollte. Die ich mich in der Butter vs. Margarine-Debatte immer treu und ergeben auf die Seite der Butter gestellt habe. Die ich weder Tee noch Kaffee ohne einen ordentlichen Schluck Milch runterkriege. Die Natur kann so gemein sein!
Aber vielleicht ist das ja tatsächlich die Ursache meiner gesundheitlichen Probleme und diese können nun gelöst werden. Das wenigstens wäre positiv.
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