Kürzlich betrete ich am späten Nachmittag zum Erwerb eines Medikaments die kleine Apotheke in der Nachbarschaft. Vor dem Tresen wartet bereits eine ältere Dame, leicht verzweifelter Gesichtsausdruck, in der Hand ein weißes Blatt Papier auf dem zwei kleinere farbige Felder zu sehen sind. Bei näherem Hinsehen weisen diese Felder eine leichte Streifenoptik auf. Das Blatt Papier wird gerade von der Apothekerin hinterm Tresen mit etwas zweifelnder Miene in Augenschein genommen, mit ebenso zweifelnder Stimme äußert sie: „Also ich weiß ja nicht. Ob wir das so einreichen können?“
Der Kollege Apotheker, der sich eigentlich gerade mir zuwenden will, kommt näher und besieht sich das Objekt des allgemeinen Interesses. „Zeigen Sie doch mal her. Aha. Na, was ist denn da passiert?“
Die Dame wird spürbar verlegen. „Äh… Also… Mein Mann… Das Altpapier… Der Reißwolf… Und dann fragte ich ihn: Wo sind denn die Rezepte geblieben. Und dann…“
Die beiden hinter dem Tresen sind sichtlich bemüht, nicht laut loszulachen ihre Erheiterung einigermaßen zu verbergen. Ich kann mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen komme interessiert näher und frage beeindruckt: „Wie, und dann haben Sie das alles Streifchen für Streifchen wieder zusammengepuzzelt?“
„Ja! Ja!“ Die Dame wird eifrig. „Erst mussten wir alle längeren Streifen aussortieren. Denn die Rezepte, die sind ja viel kleiner, das konnten die längeren Streifen ja gar nicht sein. Und dann…“ Sie deutet wieder auf das Papier. Streifen für Streifen sind dort die Reißwolfüberreste zweier Rezepte fein säuberlich nebeneinander aufgeklebt.
Wärend die beiden Apothekenbediensteten beratschlagen, wie sie das Papier am günstigen in den Drucker einführen, so das dieser es auch annimmt, rate ich der Dame, doch noch einmal beim Doktor vorzusprechen, zu erzählen, was passiert ist, und darum zu bitten, ob man ihr die Rezepte nicht noch einmal neu ausstellen könne.
„Hm… Ja… Ich weiß nicht recht. Die dürfen doch auch nicht immer wieder alle möglichen Rezepte ausstellen.“ Nun gut. Da bin ich ehrlich gesagt überfragt.
In der Zwischenzeit hat der Apotheker mir nebenher das gewünschte Mittel verkauft und mit einem freundlichen „Alles wird gut!“ an die ältere Dame gehe mit einem leicht erheiterten Gesichtsausdruck meiner Wege.
Tja. Wer den Schaden hat…


hallo.
eine wunderbare geschichte. live aus dem alltag. ich hoffe du bist nicht boese wenn ich in meinem blogg auf den post hinweise. oder ?
liebe gruesse,
der grenzgaenger
[...] Kürzlich betrete ich am späten Nachmittag zum Erwerb eines Medikaments die kleine Apotheke in der Nachbarschaft. Vor dem Tresen wartet bereits eine ältere Dame, leicht verzweifelter Gesichtsausdruck, in der Hand ein weißes Blatt Papier auf dem zwei kleinere farbige Felder zu sehen sind. [...]
irgendwie anrührend Deine Geschichte……
Au weia. Aber ich hätte wahrscheinlich ein Kopie des Rezeptes gemacht und das eingeschickt – bei uns ginge das. Aber ich bin ja auch nicht aus Deutschland, darum weiss ich nicht, wie das gehandhabt wird. Trotzdem – das hätte ich gerne gesehen das Rezept
Bisher hatte ich nur solche die einmal durchgerissen und wiederverklebt waren, oder solche wo die Kinder bunte Bilder draufgemalt haben, oder solche, die wohl bei McD als Unterlage herhalten mussten …
Andere Leute kaufen sich für viel Geld ein Puzzle…
Au weia! Mir tun ja schon immer die Leute in Krimis leid, die ganze Ladungen von geschreddertem Beweismaterial wieder zusammensetzen müssen. Hier steckte natürlich noch eine ganz andere Motivation dahinter…
Frau Momo hat Recht, ich finde die Geschichte auch irgendwie rührend, trotz aller Erheiterung.