Als ich im Bus sitze und angespannt zwischen dem Zettel in meiner Hand und der Haltestellenanzeige des Busses hin und her starre, um ja meine Haltestelle nicht zu verpassen, habe ich das ganz starke Gefühl, das auf meiner Stirn in Riesenlettern das Wort „Landei“ eintätowiert ist. Und alle können es lesen.
Einige Stunden später im Imbiss gehöre ich schon dazu. Drei Tische stehen in dem kleinen, schmalen Raum. Außer mir am hintersten Tisch sitzt nur am ersten jemand. Ein mittelalter Mann, Typus cooler Kiezbewohner. Schlürft seinen Kaffee und blättert in seiner Zeitung. Als er aufsteht, dreht er sich zu mir, fragt: „Willste die Zeitung haben?“
Ich schüttle lächelnd den Kopf – Nein danke – er sagt: „Haste Recht, steht sowieso nix vernünftiges drin.“ und entschwindet. Und ich Landei fühle mich irgendwie wunderbar aufgenommen in die Kreise der lässigen und abgebrühten Großstädter.
Noch später dann erfahre ich ganz detailliert, wie das eigentlich ganz genau mit Natascha und Dennis und dem Typen ist, der in der U-Bahn mit seinem Vertrauten hinter meinem Sitz steht. Man soll ja eigentlich keine fremden Gespräche belauschen. Aber was tun, wenn man regelrecht gezwungen wird?
Er – also der junge Mann hinter meinem Sitz – hat Natascha mitgeteilt, das seine Entscheidung für sie fest steht. Und Natascha hat gesagt, das sie sich auch ganz klar für ihn entscheiden wird. – Oh, schön. Ein glückliches Pärchen mehr auf der Welt! – Aber da geht es weiter. Außerdem hat Natascha nämlich gesagt, das das leider nicht so schnell geht. Denn sie kann ja den Dennis nicht so einfach von heute auf morgen von sich wegschieben. Das geht ja nicht, der hat ihr ja schließlich gerade erst gestanden, wie sehr er auf sie steht. Da kann sie das ja wirklich nicht machen. Und er- der junge Mann hinter mir – will Natascha auch auf keinen Fall unter Druck setzen um ihre Entscheidung für ihn zu beschleunigen. Nein, das will er nicht.
Der Freund und Vertraute, der sich diese Geschichte anhören darf, wirft immer mal wieder ein verständnisvoll-zustimmendes Mhm ein. Was soll er dazu auch anderes sagen?
Der weiteren Fortgang dieses Gesprächs verpasste ich leider blieb mir glücklicherweise erspart, da ich die U-Bahn verließ. Aber vermutlich kann ich bald wieder in einer norddeutschen Großstadt U-Bahn fahren und werde dann vielleicht ja erfahren, wie es weiterging mit Natascha, Dennis und dem anderen jungen Mann.
(Und ich dachte immer, solche Gespräche führen nur Mädchen.)
Landei goes Großstadt – Schnippselchen
29/10/2009 von zimtapfel


Hm. Vielleicht hätte er sich für Dennis und nicht für Natascha entscheiden sollen?
Oh nein, man glaubt gar nicht, über was die Männer doch so alles reden. Und tratschen! Manche sind schlimmer als wir Weibsvolk.
Schlimmer nicht, maximal genauso schlimm
.
Hach, U-Bahn Gespräche, manchmal ist es wirklich erheiternd.