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Archiv für 17. März 2010

Der ordentliche, strukturierte Mensch räumt ja dann und wann seinen Kleiderschrank aus, sortiert seine Klamotten nach “ziehe ich regelmäßig an” und “hatte ich schon lange nicht mehr an und werde ich wohl auch nicht mehr anziehen”. Letztere Kategorie wird dann konsequenterweise auch aussortiert und entsorgt. Was manchen mehr, manchen weniger schwerfällt.
Ich gehöre zu denen, denen es sehr schwerfällt. Insbesondere dann, wenn ein Kleidungstück mich an besondere Erlebnisse und besonders glückliche Zeiten erinnert, kann ich mich schwer davon trennen, selbst wenn es etwas ist, das schon lange nicht mehr passt. Oft werden die entsprechenden Sachen dann erstmal auf den “trage ich ja ganz vielleicht irgendwann doch nochmal”-Stapel sortiert und erst dann, wenn sie auf diesem noch zwei, drei Jahre vor sich hin gereift sind, endgültig entsorgt.
Manchmal passen Sachen noch, sind aber einfach kaputt. Irreparabel. Dann kommen sie weg, manchen leichten, manche schwereren Herzens.
So wie heute.
Heute musste ich sehr, sehr schweren Herzens den Badeanzug wegwerfen, in dem ich vor Jahren im See Genezareth, im Toten Meer und am Strand von Tel Aviv schwimmen war. In dem ich mich im Schwimmunterricht in der Oberstufe sexy räkelte sexy zu räkeln versuchte, um die Aufmerksamkeit eines im Nachhinein eigentlich ziemlich blöden Mitschülers zu erregen. Der Badeanzug, der mich viele Jahre treu an zahllose Seen, Küsten und in Schwimmbäder begleitet hat, der sich mir durch die ein oder andere Figuränderung hindurch äußerst flexibel angepasst hat.
Aber leider. Nichts hält ewig und irgendwann sind auch hier die Nähte so mürbe, das allein schon beim aus dem Schrank ziehen einiges kracht. Nichts mehr zu machen.
Adieu, lieber Badeanzug, es waren schöne Zeiten mit dir!

Dafür trage ich jetzt das Streifenshirt, das ich auf einem Ausverkauf ergatterte, eine Stunde, nachdem ich meine Diplomarbeit abgegeben hatte. Als kleinen Klamottenerinnerungstrost.

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Frühling im Norden

Zum ersten Mal seit Monaten wieder Sonne im Gesicht gespürt. So fühlt sich das also an. Hatte ich schon ganz vergessen.
Die ersten blühenden Krokusse und die ersten grünen Baumknospen gesichtet.
Endlich wird es Frühling.
Endlich kann ich meine Haare wieder mit der Sonnenbrille aus dem Gesicht schieben, ohne mir dabei merkwürdig vorzukommen.
Der Knabe eben im Bus hats allerdings angesichts der ersten Sonnenstrahlen direkt ein bißchen übertrieben mit seiner kniekurzen Jeans.

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