Heidewitzka!
Ich weiß ja nicht, was anderswo so los ist. Aber hier geht heute gar nix mehr.
Seit letzter Nacht tobt hier ein knackiger Schneesturm, endlos wird die riesige Puderdose über dem Norden geschüttelt. Autos, die am Morgen geparkt werden, haben schon am Mittag ein dickes weißes Mützchen auf.
Busse kommen nicht durch. Der Bus der nicht wie alle anderen nur oben an der Hauptstraße hält, sondern eine Runde durchs Dörfchen dreht, hat Gerüchten zufolge bereits den Verkehr eingestellt, die innerdörfliche Steigung vom Kanal hoch war zuviel bei dem Wetter. Und nein, hier an der Ostküste ist Schleswig-Holstein nicht platt wie ein Pfannkuchen. Wenn von den Bussen, die hier normalerweise in sieben oder acht Linien mehrmals in der Stunde Richtung Innenstadt oder wieder zurück fahren, stündlich ein oder zwei die Haltestelle erreichen, herrscht Freude pur. Im Bus dann Gruppenkuscheln und an jeder Haltestelle fröhliches Tetrisspielen. Die einen wollen raus, die anderen rein, die, die eigentlich noch drinbleiben wollen, steigen trotzdem mit aus, damit überhaupt was geht. Dennoch, die Stimmung ist eher heiter als angepisst.
Je weiter der Bus sich dem Kanal nähert, desto mehr steigt die Spannung unter den Fahrgästen – wird der Bus die Steigung auf die Hochbrücke hinauf schaffen oder nicht?
Er schafft die Steigung. Erleichterung, gleich bin ich zuhause.
Doch dann, Durchsage des Busfahrers, die große Haltestelle an der Ortseinfahrt zum Dörfchen kann nicht angefahren werden, er muss auf der Schnellstraße stadtauswärts bleiben. Ein Bus ist auf der Kreuzung ins Rutschen geraten und quer in die erst letzte Woche über mehrere Tage erneuerte Ampelanlage gerauscht. Da steht er nun, umgeben von Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen… Fahrgäste, die ins Dörfchen wollen, werden an der Zufahrt zur Schnellstraße ein Stück weiter rausgelassen und dürfen durch den Tiefschnee stapfen.
Also, ich habe es dann nachhause geschafft, aber ich denke, ich kann sagen, ich bin hier eingeschneit. So richtig. Im Prinzip habe ich erstmal alles Lebensnotwendige da, dennoch überlege ich, nochmal schnell zum Kleinstsupermarkt in der Nachbarschaft zu stapfen und noch etwas vorzusorgen. Denn wer weiß, wie es morgen da draußen aussieht…
Schneechaos
02/12/2010 von zimtapfel



Wahnsinn! Vor Jahren hätte man deine Schilderung und die vieler anderer Blogger/innen für Berichte aus Sibirien oder Kanada oder Alaska gehalten! Pass bitte gut auf dich auf, dieses extreme Wetter birgt so viele Gefahren!
Herzliche Grüße!
Au weia. Hier hat es nun auch geschneit, aber deutlich weniger heftig.
Die Bilder aus Ostholstein sind ja schon seit Tagen heftig.
Vorhin im Supermarkt um die Ecke kam es mir auch so vor, als würden die Leute denken, dass es morgen nichts mehr zu kaufen gibt… das war der Wahnsinn. Und vor allem die Rentner waren sowas von rücksichtslos ob meines eingeschränkten Bewegungsvermögens. Die rumsen einen mit ihrem Einkaufswagen an, ohne Rücksicht auf Verluste. War ich sauer!
Wunderbar. Einfach nur wunderbar.
Ich liebe es an solchen Tagen durch den Schnee zu gehen und habe das Gefühl, die Zeit bleibt stehen weil kein Fahrzeug fährt.
Leider passiert das hier nicht. Das ist zwar nicht die Küste sondern RLP aber trotzdem total flach. Von Straßengräben mal abgesehen.
Nein, bei mir herrscht nicht solch ein Chaos. Sicher liegt Schnee, sicher gibt es Autofahrer, die mehr als vorsichtig sind. Aber es hält sich alles im Rahmen.