Mehrmals am Tag fliegt über unsere Köpfe der Rettungshubschrauber hinweg, um irgendwo im Dunstkreis des ca. 500 m entfernten Hauptgebäudes der Uniklinik zu landen. Ich selbst beachte das ehrlich gesagt kaum, der Klang und Anblick kreisender Hubschrauber irgendwo über meinem Kopf ist mir einfach zu sehr vertraut. Nicht nur aus Kiel, wo mehrmals täglich ein Hubschrauber seine Runden weiträumig um den Marinstützpunkt dreht, auch aus der Unistadt, wo ich eine Zeitlang sehr nah am Klinikum wohnte und einmal bei einer meiner Inlinerrunden sogar beinahe auf den Landeplatz des Rettungshubschraubers gefahren wäre.
Die Zimmernachbarin (nicht Omma sondern die andere, jüngere und mit Frau Zimtapfel deutlich kompatiblere) schaut bei dem Geräusch oft sehr erschrocken und besorgt zum Himmel. Wieder ein Schwerverletzter sagt sie dann betrübt. Das müsse sie immer denken, wenn sie so einen Hubschrauber sehe oder höre.
Da hat sie ja im Grunde nicht unrecht. Trotzdem denke ich das irgendwie anders herum.
In meiner Kindheit wurde ein Freund von mir beim Fahrradfahren von einem viel zu schnell durch unser Dorf rasenden Autofahrer angefahren. Mehrfache Knochenbrüche und innere Verletzungen waren die Folge, er wurde mit dem Hubschrauber in die nächste Uniklinik geflogen und schwebte dort auf der Intensivstation einige Tage zwischen Leben und Tod. Ohne den Hubschrauber hätte er wohl keine Chance gehabt.
Wenn ich einen solchen Hubschrauber sehe oder höre, denke ich eher: Wieder einer, dessen Chancen, mit dem Leben davonzukommen durch den Hubschrauber und die entsprechend zeitnahe medizinische Versorgung deutlich erhöht sind.
. »
Sichtweisen
01/10/2011 von zimtapfel
Veröffentlicht in Erinnerungen, Gedanken, Leben | Getaggt mit Klinik, medizinische Versorgung, Rettungshubschrauber, Sichtweisen, Zimmernachbarinnen | 8 Kommentare
8 Antworten
Kommentar verfassen Antwort abbrechen
Kann jeder:
Heute
-
Neues
-
Schnackschnack
Live Traffic
-
Wieviele?
- 114,778 Irrungen und Wirrungen seit Juni '08
gern gelesen
- Andscha
- Ansku
- Blogolade
- Buchstäblich
- Das Buchhörnchennest
- Das Fellmonsterchen
- Düne Sieben
- Draußen nur Kännchen
- Enten-Watchblog
- Frau Liebe
- Freidenkerin
- Frische Brise
- hard bloggin' scientist
- Heldin im Chaos
- Kamerun-Blog
- Küchenteufels
- Landgeflüster
- Letters from Rungholt
- Lies von Lott
- Mettigel
- Mittenmank
- No Offense
- Nosupermom
- Otter mit Schal
- Pharmama
- Phänomene
- Planziel: Minus 30%
- Ploppers Wörld
- Quadratmeter
- Raven's Forest
- Regenbogen
- Rumpelwald
- Schildmaid
- SchokoPerle
- Silencer
- Soulsilence
- Sterntau
- Suomalainen Päiväkirja
- Tagwerk
- Tapfer im Nirgendwo
- Tonari
- Turkish Mom
- Unterholzbewohner
- Welt des Wissens
- Zwilobit
Kiel-Connäctschn
Links
Kategorien
- Abenteuer Alltag (147)
- Ärgernisse (66)
- Balkongespräche (2)
- Beobachtungen (36)
- Der Norden (56)
- Die Allzweck-Kategorie (28)
- Erinnerungen (58)
- Erlebnisse (61)
- Fragen und Antworten (43)
- Gedanken (23)
- Geschmackserlebnis (50)
- gesehen (32)
- kurz und knapp (54)
- Leben (21)
- Lesen (16)
- neue Wege (42)
- Teilzeithobby (42)
- Zimtapfel klärt auf (3)
- Zimtapfel testet Dinge (9)
Wölkchen
Adler Arbeit Autofabrikstadt Besuch bloggen Borowski Bus Bücher damals Engel Familie Fußball Geburtstag gelbe Post Herbst Kaffee Kiel Kieler Förde Kieler Woche Kindheit Kleines Schwarzes Auto Knie Laktose Laktoseintoleranz lecker Essen Lesen Nachbarschaft Nord-Ostsee-Kanal Ostsee Reise Schiffe Schleuse Schnee Stöckchen Tassen Tatort Tee Umzug Vorfreude Wahnwitz und Irrsinn warten Wetter Wiesel Winter Wohnung



Da teile ich deine Sichtweise. Wie viele Tote gäbe es Jahr für Jahr in den Bergen mehr zu beklagen, wenn da nicht die S.A.R-Rettungs-Hubschrauber wären, die sogar bei Nacht und beim größten Schietwetter Stunden um Stunden jeden Grat, jede Klamm und Schlucht, jede Felsspalte absuchen, um Vermisste und Verletzte ausfindig zu machen…
Ich kann Omma schon verstehen. Wir blenden gerne aus, das jede Sekunde schlimme Dinge passieren. Und so ein Symbol wie ein Heli bringt das ins Bewusstsein.
Deine Sicht gefällt mir aber wesentlich besser, ich werde mal versuchen mir die zu eigen zu machen.
Miepmiepmiep! Artikel für besseres Leseverständnis noch einmal lesen!
Das mit dem Hubschrabbschrabb ist nicht Omma sondern die andere Mitbewohnerin. 3-Bett-Zimmer.
Rettungshubschrauber stören auch nimenaden, weil man wseiss, dass Menschen geholfen wird, genau wie bei Polizei-, Feuerwehr-, und Sanitätssirenen
Sry. Du haust uns seit Tagen in einer Penetranz und Frequent “Omma” um die Ohren, das sich das irgendwie von selbst ergänzte.
Ich verstehe beide Sichtweisen sehr gut – und ich glaube, mir geht eigentlich immer BEIDES durch den Kopf, wenn ich mal einen Rettungshubschrauber sehe / höre (was hier nur äußerst selten vorkommt!)
Hier in der Großstadt nehm ich die kaum wahr bei all dem Lärm um mich herum. Aber als Martin lange im Krankenhaus lag, da war mir das näher und ich dachte auch jedes Mal, wieder ein Schwerverletzter.
Seit mein Kleiner direkt nach der Geburt mit dem Hubschrauber ins nächste Herzzentrum geflogen wurde, registriere ich JEDEN Hubschrauber, der übers Haus donnert (auch ungefähr 600m Luftlinie zum Klinikum) Die ersten vier, fünf Jahre bin ich jedesmal aus dem Haus gerast und hab geguckt, WELCHER der Helis das jetzt ist und in welche Richtung er fliegt oder woher er kommt. Und ich war hin- und hergerissen zwischen ” Oh wie furchtbar, schon wieder was Schlimmes passiert, ein krankes Baby usw.” und “Wie gut, daß es Hubschrauber gibt, die Leben retten können!!”