…und zwar zu den Einheimischen in einer Gegend, in der andere Urlaub machen.
Heute nach langer Zeit mal wieder mit der Fähre zum Einkaufen gefahren. (Und vermutlich auch das letzte oder zumindest eines der letzten Male.)
Unten am Anleger ein Trüppchen Touristen. Fahrradtouristen um genau zu sein. Als ich die Treppe zum Steg hinuntergehe, schielt einer gerade auf den lediglich pro forma dort hängenden Fahrplan.
“Um siebenundzwanzig fährt wieder eine!” ruft er den anderen zu.
Ich verkneife mir ein “Vergessen Sie den Fahrplan, guter Mann, der fährt einfach nur immer hin und her!” und betrete den Steg. Lehne mich lässig ans Geländer, schaue aufs Wasser, sehe den größeren und kleineren Schiffen zu, schaue rüber zur Schleuse, sehe die Wolken sich in der krisseligen Wasseroberfläche spiegeln, fühle, wie der Wind an meiner Jacke zerrt…
“Schaut mal, da können ja doch Fahrräder drüberfahren!” Einer der Touris deutet aufgeregt in Richtung Hochbrücke.
“Nee, jetzt sind wir aber hier unten.” kommt die entnervte Antwort einer Mitstreiterin.
(Die Angehörigen des Trüppchens tragen übrigens alle etwa handtellergroße, metallene Fahrräder an Schüren um den Hals.)
Am entgegengesetzten Ufer setzt sich der Schuhkarton Adler in Bewegung und nimmt Fahrt auf den hiesigen Anleger. Das Trüppchen um mich herum beginnt aufgeregt durcheinander zu reden.
“Huch, hoffentlich passen wir da überhaupt alle drauf!”
“Sonst müsst ihr drüben auf uns warten!”
Ich drehe kurz den Kopf, nehme das Trüppchen in Augenschein und grinse in mich hinein. Zugegeben, der Schuhkarton sieht so von weitem übers Wasser schon manchmal noch kleiner aus, als er ist, aber sooooo klein ist er auch wieder nicht.
Ich drehe mich nochmals um und der Wortführer des Trüppchens identifiziert mich als Einheimische. Wenn der wüsste, das ich ‘ne Zugezogene aus dem Süden bin…
“Sagen Sie mal, passen wir da alle auf einmal drauf? Mit den Rädern?”
Ich lasse meinen Blick über den Steg schweifen.
8 Fahrradtouris.
8 Räder.
Ich lächle mild.
“Aber locker passen Sie da drauf!”
Der Adler legt an und als die vorherigen Fahrgäste ausgestiegen sind und die neuen das Schiff geentert haben, ist das hintere, offene Deck mit den Fahrradständern gerade mal zur Hälfte gefüllt. Das vordere, geschlossene Deck mit den Sitzplätzen ist quasi leer.
Noch gehöre ich hier zu den Einheimischen. Noch darf ich während der Sommermonate über die Touris lästern…


