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Archiv für die Kategorie ‘Zimtapfel klärt auf’

Heute mal kurz interessehalber im Appstore einen Blick in eine App geworfen, die vegetarische Rezepte aus aller Welt für jeden Geschmack und jede Gelegenheit oder so ähnlich anbieten will.
(Nein, ich bin nicht unter die Vegetarier gegangen. Ich habe schon mein Leben lang eher wenig als viel Fleisch gegessen und gedenke das auch so beizubehalten. Dank Frau Momo weiß ich nun auch endlich das richtige Etikett für Leute wie mich, wir heißen nämlich “Flexitarier“. Endlich ein Schublädchen gefunden, juhuu! :-) )
Wie auch immer. Im Appstore finden sich ja unter den angebotenen Apps immer ein paar mehr oder weniger nützliche Kommentare von Menschen, die diese App bereits erworben und benutzt haben. Und eine davon, wie soll ich sagen, fiel mir dabei sehr auf.
Da schrieb eine Dame, sie sei Veganerin, denn sie wolle nicht, das ihretwegen irgendein Tier leiden müsse. Und nun habe sie etwas nach einem Rezept aus dieser App gekocht, und dann habe sie hinterher, als das essen fertig war, festgestellt, das der Gorgonzola, den sie ans Essen getan habe, ja Lab enthält. Lab, das aus Kälbermägen gewonnen wird. Nun habe sie sich das Gericht zwar dennoch reingezwungen, denn Essen wegwerfen könne sie ja gar nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren und außerdem solle das arme Kälbchen doch nicht umsonst gestorben sein, aber sie habe sich dabei wirklich ganz, ganz schlecht gefühlt.
Traurig.
Zunächst einmal fällt mir auf: Veganerin? Und dann ein Gericht mit Käse? KÄSE? Ein Milchprodukt? Wo Veganer doch nach der allgemein geltenden Definition keinerlei tierische Nahrung zu sich nehmen, weder Fleisch, noch Eier, noch Milch und Milchprodukte?
Aber gut, vielleicht hat die Dame ja die Begriffe etwas durcheinandergebracht und weiß gar nicht so genau, was sie eigentlich is(s)t. Passiert.
Was mir aber noch mehr auffällt ist dies: Sie benutzt also diesen Käse für das Rezept aus der App. Käse wird in der Regel immer unter zuhilfenahme von Lab hergestellt, denn das ist nunmal das Mittel, durch das die Milch gerinnt. Nun gibt es heutzutage zwar auch sogenannten “vegetarischen Käse”, der mit dem mittlerweile entwickelten synthetisch hergestellten Lab produziert wird. Aber diesen muss man im normalen Lebensmittelhandel schon mit der Lupe suchen. Wenn es einem denn so wichtig ist.
Was ich aber so bemerkenswert finde, ist, das die Dame anscheinend so überhaupt nicht auf die Idee gekommen ist, sich mal selbst zu informieren. Über das, was sie isst und darüber, wie das, was sie isst, hergestellt wird. (Ich dachte immer, gerade Veganer gingen da ganz besonders bewusst durchs Leben. Wohl auch so ein Schublädchen…) Sie kauft also diesen Gorgonzola, kocht sich ihr Essen nach dem Rezept aus der App. Und dann ist es die Schuld der App beziehungsweise die Schuld dessen, der diese App geschrieben hat, das ihretwegen, ganz ohne das sie es wollte, ja sogar ohne, das sie es überhaupt wusste, ein süßes kleines Kälbchen sterben musste. Und dass sie sich dann beim Essen ganz doll schlecht gefühlt hat.
Gute Frau. Wie wäre es denn mit einfach einmal selbst nachdenken?

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Seit letzter Woche weile ich nun, wie der ein oder andere über die diversen anderen Internetkanäle vielleicht schon mitbekommen hat, wieder in einer westdeutschen Uniklinik. Warum das so ist und was ich hier im einzelnen mache tut hier nichts zur Sache, wer darüber Bescheid wissen muss, weiß auch Bescheid. Der Klinikalltag bringt so einiges mit sich, mit dem man im Alltag daheim für gewöhnlich nicht so konfrontiert wird. Deliziöser Klinikfraß, Spritzen, Infusionen und dazu nötige Zugänge und in schon etwas älteren Klinikgebäuden Gemeinschaftsduschen und -Toiletten auf dem benachbarten Stationsflur sind so eine Sache. Eine andere Sache sind Mitbewohner, die man sich nicht aussuchen kann.
Dreibettzimmer. Immerhin ein sehr schönes Dreibettzimmer an der Ecke des Gebäudes, mit vier großen, hohen Fenstern, von denen zwei nach Süden, zwei nach Westen hinausgehen und auf den Klinikpark mit schönen großen alten Bäumen blicken.
Als ich ankam traf ich es gut. Das Zimmer war bereits belegt mit zwei netten Frauen etwa meiner Generation, die eine ein Stück älter, die andere ein Stück jünger, wir verstanden uns auf Anhieb recht gut, es war alles in allem sehr nett. Montag nun wurde die jüngere entlassen, die ältere und ich blieben zwei Tage unter uns. Heute früh dann wieder Zuwachs: Omma.
Omma ist – ich bin schlecht im Alter schätzen – vermutlich gut über 70, sie hat bereits Urenkel, die Enkel sind über dreißig. Omma ist eine liebe, nette Person, aber eben… alt. Bitte nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen alte Menschen. Mit manchen davon komme ich sehr gut zurecht. Manche machen mich aber auch irre. Und Omma fürchte ich, gehört eher in zweitere Kategorie, so lieb und nett sie auch ist. Omma hat nämlich die Eigenart, bei Dingen, die man ihr gerade eben ausführlichst erklärt hat, ganz entsetzt/überrascht “waaaas? das ist soundso?” zu rufen, wenn man es beim nächsten Mal wieder erwähnt.
Ich erkläre unserem Neuzugang also dies und jenes, zeige, wo was ist, erkläre, wie das mit dem Essen funktioniert (bei der Karte für das Telefon am Bett bin ich überfragt, da ich selbst nur mein Handy benutze, da hilft jedoch die Schwester), zeige, wo es die Kopfhörer für den Minifernseher gibt (wer mich im Fratzenbuch kennt, weiß, wovon ich rede…), erkläre, wie das Ding funktioniert, kurzum, bin nett, freundlich und hilfsbereit. Und weil ich so nett und freundlich bin, hält Omma mich nun für ihre beste Freundin und möchte immer mit mir unten im Park spazierengehen…
Nun habe ich auch – wie man bereits weiß, wenn man mich über Twitter oder Fratzenbuch kennt – auch mein kleines MacBook dabei. Dieses, um damit über diverse Kanäle mit lieben, amüsanten, teuren Mitmenschen zu kommunizieren, aber eigentlich hauptsächlich, um damit Filme oder alberne, peinliche Serien auf DVD zu gucken. Tolle Sache übrigens beim MacBook: Einfach nur das Scheibchen reingeschoben und schwupps springt der bereits vorinstallierte DVD-Player an und dat läuft.

Und an dieser Stelle muss ich ein bißchen ausholen und eine kleine Erinnerung an meine Oma erzählen: Es begab sich irgendwann in meinen Teenietagen, das ich mir – zusätzlich zum erst wenige Jahre zuvor mühsamst errungenen Fernseher – einen Videorecorder wünschte. Ansprechpartner für derartige Wünsche war bei uns meist Oma, die als gute Oma väterlicherseits den armen, bei der bösen Ex-Schwiegertochter lebenden Scheidungskindern nur zu gern alle Wünsche von den Augen ablas.
Also wandte ich mich auch in diesem Fall mit einem gekonnte “Liebste Omi, weißt du, was ich gaaaaaanz dringend zum Geburtstag brauche?”-Augenaufschlag an Oma. Das Oma auf diesen meinen Wunsch jedoch nicht gleich wie erhofft und wie sonst reagierte, lag, wie sich nach ein paar Tagen herausstellte an einem… nennen wir es mal… Informationsdefizit. Oder auch Missverständnis.
Oma wusste zu diesem Zeitpunkt durchaus, das es Videorecorder gibt. Der ein oder andere Nachbar oder Bekannte hatte so einen. Selbstverständlich nur, um damit irgendwelche im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlten kulturellen Hochgenüsse aufzuzeichnen. Denn alles andere, was man mit so einem Recorder anstellen könnte, lag nach Omas Auffassung im Bereich des Unaussprechlichen. Das ich dann auch noch davon sprach, das man damit ja nicht nur vom Fernseher aufgezeichnete Sendungen ansehen, sondern sich auch in der Videothek die sogenannten Videofilme ausleihen könne, schlug dem Fass den Boden aus: Oma war zutiefst schockiert und entsetzt über ihre verdorbene Lieblingsenkelin. Die Lieblingsenkelin wiederum war zutiefst verwirrt über Omas merkwürdige Reaktion…
Da aber Oma und ich über die meiste Zeit ein durchaus gutes Verhältnis hatten und über vieles sprachen, konnte ich nach ein paar Tagen durch erneutes Nachfragen das Missverständnis aufklären:
Oma war – wie auch immer sie zu dieser Auffassung gekommen war – der Ansicht, auf diesen ominösen Videokassetten, die man in diesen höchst obskuren Videotheken ausleihen konnte, seien ausschließlich Pornofilme zu sehen. (Oma sprach das Wort Porno selbstverständlich nicht aus, jedoch gelang es ihr, mir durch diverse ein-, bzw. mehrdeutige Andeutungen klarzumachen, was für schlimme, schlimme Filme sie meinte). Nun denn. Es gelang mir, Oma davon zu überzeugen, das es in Videotheken zwar auch solche Filme gebe, das dort jedoch hauptsächlich ganz normale Filme in den Regalen ständen. Filme, die irgendwann mal im Kino gezeigt worden sind, oder auch im Fernsehen, Filme, die sie sich zum Teil auch irgendwann einmal angesehen hat, ganz normale, mehr oder weniger züchtige Filme eben. Und mit der quasi eidesstattlichen Versicherung, mir selbstverständlich nur solche normalen Filme auf meinem erhofften Videorecorder anzusehen, gelang es mir dann schließlich doch noch, Oma von der Notwendigkeit und vor allem von der völligen Unbedenklichkeit eines solchen Gerätes für meine unsterbliche Seele zu überzeugen.
Das mir diese kleine Episode, über die ich auch nach über 20 Jahren immer noch herzlich lachen muss, gerade wieder in Erinnerung gerufen wurde, hat mit Omma zu tun. Omma, die neue Zimmernachbarin, wir erinnern uns.
Omma sah mich also heute vormittag mit meinem lieben Schleppi auf dem Bett hocken, hier und da was lesen, hier und da was schreiben und immer mal wieder lachen. Während meiner vormittäglichen Infusion sah ich mir eine alte, peinliche Serie auf DVD an. Und Omma fragte natürlich nach: “Da kann man sich ja toll mit beschäftigen, was machen Sie denn damit?” Ich so *denk* Was erzähl ich ihr den jetzt, irgendwas von Twitter, Facebook, Blogs? Die arme ist eh schon so verwirrt… Also sagte ich nur: “Ich…ähm…naja… ich schreib mir halt so im Internet mit so Leuten.” Allein schon das Wort Internet schien Omma nur schemenhaft etwas zu sagen. Aber dann setzte ich noch einen drauf. Eigentlich in der Hoffnung, das Omma damit vielleicht etwas mehr anfangen könnte. “Und dann gucke ich darauf immer DVDs.” Omma guckte noch verwirrter. Die Erfindung und Verbreitung der DVD schien spurlos an ihr vorbeigegangen zu sein (war da nicht was mit Enkeln und Urenkeln?). Also holte ich meine DVD-Nylontasche aus dem Nachtschränkchen, zog eine der silbrigen Scheiben heraus und hielt sie ihr vor die Nase: “Da sind Filme drauf. Die kann ich mir mit dem Rechner angucken.” Omma zeigte sich beeindruckt. “Was es heutzutage alles gibt!”
Aber der Blick. Der Blick mit dem Omma mich beim Anblick der silbrigen Scheiben und der Erwähnung der Filme darauf ansah, dieser Blick glich sehr dem Blick, mit dem Oma mich damals, vor über 20 Jahren beim Äußern meines Videorecorderwunsches bedacht hatte…

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Als kleine Rückschau auf den Eurovision Song Contest.

Nein, mein Fall ist der Siegertitel auch nicht. Ein beliebiges, nettes kleines Liedchen, das – inklusive absolut MTV-tauglicher Performance – auch einer von inzwischen vermutlich Hunderten Kuschelrock-CDs hätte entnommen sein können. Himmel, selbst die Sängerin sah aus wie die Nichte von Mariah Carey.
Und dann auch noch dieses Aserbaidschan! Echt mal! Ist das denn überhaupt in Europa? Also wirklich! Wer da heutzutage alles mitmachen darf!*

Nein, Aserbaidschan ist kein europäisches Land. Hat es auch nie behauptet. Und muss es auch gar nicht sein, um beim Eurovision Song Contest mitmachen zu dürfen.
Mitmachen dürfen dort nämlich alle Mitgliedsländer der EBU (European Broadcasting Union), also der Europäischen Rundfunkunion. Diese trägt zwar Europa im Namen, dieses ist jedoch kein Ausschlusskriterium, denn tatsächlich ist die EBU ein ” Zusammenschluss von derzeit 75 Rundfunkanstalten in 56 Ländern Europas, Nordafrikas und Vorderasiens”.
Jedes der EBU-Mitgliedsländer kann, wenn es will, am Eurovision-Songcontest teilnehmen. Jedes. Unabhängig davon, ob es in Europa, Nordafrika oder Vorderasien liegt. Es muss nur Mitglied der EBU sein. Sonst nichts.
Ich betone das so nachdrücklich, weil ich davon ausgehe, davon ausgehen möchte, das das ganze Gebashe, das ich grad hier und dort gegen das Siegerland des diesjährigen Wettbewerbs mitbekomme (“interessant, wer heutzutage plötzlich alles zu Europa gehört”* u.ä.) bei den allermeisten auf bloßer Unkenntnis der EBU- , bzw. ESC-Regularien beruht und nicht auf anderen, niedrigeren Motiven.
Nein, mein Fall war der Song auch nicht. Ich hatte andere Favoriten. Aber dieses Lied und Aserbaidschan mit ihm haben dieses Jahr nunmal gewonnen. Ist jetzt halt mal so. Findet euch damit ab und akzeptiert es, anstatt ihnen im Nachhinein das Recht absprechen zu wollen, am Wettbewerb teilzunehmen.

So.

Kommen wir nun zum gemütlicheren Teil. Hier ist mein Siegertitel der Herzen:

*Zitate aus diversen Blogs, Twitter- und Facebookmeldungen

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