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Mit ‘Familie’ getaggte Artikel

Tee

Neulich stieß ich in irgendeinem der Blogs, die ich gelegentlich lese, auf einen Namen. Teekampagne. Nur der Name, kein Link dabei. Trotzdem war die Erinnerung sofort da.
Bei der Teekampagne bestellte meine Mutter ihren Tee bereits in den Achtzigern. Ganz ohne Internet damals. Ich habe keine Ahnung und kann sie auch nicht mehr danach fragen, wie sie einst darauf gekommen ist. Aber in unserem Dorf und unserer Kleinstadt existierte schon damals eine verhältnismäßig große und gut vernetzte “Öko”szene, so das der Zusammenhang wahrscheinlich irgendwo dort zu finden ist.
Der Tee wurde jährlich in riesigen Packungen angeliefert und bei uns für den täglichen Gebrauch in eine alte, abgestoßene Teedose mit der Aufschrift “Finest Earl Grey Tea” aus dem Hause Winston abgefüllt. Es ist zu vermuten, das sich etwa das erste Jahrzehnt meines Teetrinkens fast ausschließlich auf diesen Tee beschränkte. Darjeeling, nur Darjeeling. Denn, wie es auf der Seite der Teekampagne heißt, “Wenn Sie den besten Tee der Welt kaufen können, warum dann noch andere Tees trinken?”
Irgendwann, so zu Beginn der Oberstufe, kam die Zeit, da im Mitschülerinnenkreis zu Geburtstagen regelmäßig niedliche Tee-Geschenktütchen und -körbchen aus schnuckeligen, hippen Teelädchen der benachbarten Unistadt verschenkt wurden. In der Regel aromatisierte Tees mit romantisch klingenden Bezeichnungen. Damals mochte ich das. Vielleicht mochte ich auch einfach die den Tee verschenkende Geste. Jedenfalls trank ich ihn, einige Jahre lang.
Bis mir irgendwann auffiel, das mir dieses aromatisierte Zeug eigentlich überhaupt nicht schmeckt. Das mir von zuviel davon schlecht wird, das ich nach mehr als einer Tasse Sodbrennen bekomme.
Und so landete ich nach einigem herumprobieren letztendlich wieder bei der Teesorte, mit der mein Teetrinken vor Jahrzehnten begonnen hat. Dem guten alten Darjeeling.
Und, angestoßen durch diesen kleinen Erinnerungsflash, denke ich, es ist an der Zeit, einmal auszuprobieren, ob der Tee von der Teekampagne in den Zeiten weltweiter Vernetzungen noch genauso schmeckt, wie im nordhessischen Dörfchen in den internetlosen Achtzigern. Und mir dort eine Ladung bestellen. Nach dem Umzug.

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kaputt

Wenn bereits in der ersten Schulwoche ein anderes Kind dem Goldneffen mit Absicht seinen schönen, passend zum Schulranzen ausgesuchten Regenschirm kaputtmacht, verstört mich das sehr. Nicht nur, weil die ganze Schulranzen-und-Zubehör-Chose das Geschenk der lieben Patentante und ihres Liebsten zur Einschulung war.
Sondern auch, weil ich aus eigener Erinnerung noch gut weiß, wie ungemein doof es sich anfühlt, wenn einem etwas schönes, das noch ganz neu ist, über das man sich sehr freut und auf das man auch ein bißchen stolz ist, von jemand anderem kaputtgemacht wird. Und es dann nicht mehr so schön ist und einen dieses nicht mehr so schön von nun an ständig an das kaputtmachen erinnert.
Und auch weil es mir in der Seele wehtut, das der Goldneffe, der so ein zutiefst argloses Kind ist, ein Kind, das niemandem etwas böses zutraut und zu allen Menschen, die es kennenlernt, nett und freundlich ist, das dieses Kind es nun plötzlich mit anderen zu tun hat, die aus purer Gemeinheit oder aus Lust am Zerstören einfach so anderer, schwächerer Kinder Eigentum kaputtmachen.

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Das Haus

Irgendwann zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang gehe ich in den Keller, Wäsche abnehmen. Und auf dem Rückweg den Briefkasten leeren.
Ein großer und auch recht dicker Umschlag ist darin, von einer Anwaltskanzlei in meiner Geburtsstadt. Im ersten Moment ein Schreck – denn Anwälte, fremde Anwälte bedeuten häufig nichts Gutes – und ein großes Fragezeichen. Noch im Treppehochsteigen dann aber die Erkenntnis: Natürlich. Das wird um den Hausverkauf gehen.
Das Haus. Mein Elternhaus.
Einen Tag, nachdem ich diesen Artikel geschrieben hatten, den einzigen, in dem dieses Haus je vorkam, rief die Schwester an. (Diese Zufälle sind manchmal schon unheimlich.)
Der Mieter, der das Haus seit Jahren bewohnt, hat zum Herbst gekündigt, bevor es weiter vermietet werden könnte, müssten etliche Reperaturen gemacht werden, die erstens teuer sind und um die sich zweitens jemand kümmern müsste. Was aber aus den verschiedensten Gründen niemand von uns kann. Daher haben sie und unser Vater beschlossen, das Haus – mein Einverständnis vorausgesetzt – nun doch zu verkaufen.
Und so logisch und sinnvoll diese Entscheidung nun ist, so seltsam fühlt es sich trotzdem an, und irgendwie tut es doch fast ein bißchen weh.
Niemals hätte ich dieses Haus tatsächlich haben und wieder darin wohnen wollen. Ein hässlicher Flachdachbungalow im Stil der Siebziger, in einer Gegend, in die mich nichts zieht. Und doch.
Und doch ist es das Haus, das meine Eltern zusammen gebaut haben in der Zeit, in der ich im Bauch meiner Mutter war. Das Haus, in dem ich die ersten sechs Jahre meines Lebens verbracht habe, das Haus, in das ich mich noch Jahre später zurückwünschte, bis mir irgendwann als Teenager klarwurde, das damals eben doch nicht alles rosarot und plüschig war.
Das Haus, das meine Eltern nach der Scheidung gemeinsam behielten und verwalteten, das nun seit etwas über einem Jahr der Schwester und mir zu je einem Viertel gehört.
Das Haus, das ich in dem Sommer, in dem ich mein Abitur machte, zum letzten Mal besuchte. Und dabei nur einen kurzen Gedanken daran verschwendete, das die Schule, die der wenig jüngere Sohn der Familie, die nun dort wohnte, besuchte, auch meine Schule hätte sein können, wenn alles anders gewesen wäre.
Dieser Besuch liegt nun bereits 14 Jahre zurück.
Ich denke nicht, das ich noch einmal dorthin zurückkehren werde.

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Assoziationsachterbahn

Ich sitze im Regionalzug in die benachbarte Großstadt und sehe, meine iPod-Kopfhörer im Ohr, aus dem Fenster. Die Landschaft rast vorbei und mir ihr rasen meine Gedanken sprunghaft von einem Thema zum nächsten.
An einem Haus ist ein großzügig bemessener Wintergarten angebaut, er wirkt jedoch karg und kalt. Meine Gedanken wandern zum sehr viel gemütlicheren Wintergarten am Haus meiner Tante. Von Onkel und Tante springen meine Gedanken weiter zu den beiden Cousins und als nächstes habe ich etwas im Ohr, das der eine Cousin zu mir sagt. Ich höre nicht, was er sagt, ich höre nur die Stimme und den Tonfall, in dem er es sagt. Und als nächstes fällt mir die Situation ein, in der er das sagt. Die Beerdigung meiner Mutter.
Und völlig unvermittelt stürzen mir Tränen aus den Augen. Wegen eines Wintergartens an einem Haus an der Bahnstrecke zwischen Kiel und Hamburg.

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Hmpf

Gut, wenn man spät abends vor der Abreise noch schnell ein paar Bilder von der Digiknipse auf den Rechner zieht und dabei bemerkt, das der Akku nicht mehr allzuviel Saft hat. Dann kann man ihn prima über Nacht nochmal ans Ladegerät hängen.

Blöd, wenn Digiknipse und Akku am nächsten Morgen bei der Abreise dann keinen Ton sagen um sich bemerkbar zu machen und infolgedessen nicht mitfahren dürfen. So reisen zwar die Fotomodells – auch als Engel bekannt – mit, können aber dabei nicht fotografisch dokumentiert werden.

Also keine Engelbilder vom Tantengeburtstag am Rhein. Schade.

Na, muss ich wenigstens nicht der kompletten versammelten Verwandschaft wieder und wieder erläutern, was es mit diesen Engeln und mit dem bloggen und dem Internet überhaupt so auf sich hat.

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Letzte Woche hatte ich das aufgrund einer Entfernung von über 400 Kilometern höchst seltene Vergnügen, den Goldneffen vom Kindergarten abholen zu dürfen.

Beim Einsteigen in das Kleine Schwarze Auto stand der Goldneffe einen Moment davor und betrachtete nachdenklich das Kennzeichen. (Der Goldneffe kann mit seinen fünf Jahren nämlich schon augezeichnet lesen – selbst beigebracht.)

“Hm. Das da” – er deutet auf das KI – “heißt Kiel.” Gutes Kind! “Aber was heißt das da?” Er deutet auf die beiden Buchstaben in der Mitte.

Ich erkläre: “Das ist das Kennzeichen. Die Buchstaben bedeuten eigentlich gar nichts, die haben wir eben so zugeteilt bekommen.”

“Aber da müssen doch eigentlich die Anfangsbuchstaben vom Vornamen und vom Nachnamen stehen. Oder die Anfangsbuchstaben von euren beiden Vornamen. So wie bei unserem Auto, da stehen da die Anfangsbuchstaben von Mama und Papa.”

Ich erkläre weiter: “Ja, das kann man so machen, das kann man sich manchmal bei der Zulassungstelle so aussuchen, das man bestimmte Buchstaben bekommt, manchmal kostet das dann auch was. Aber man kann sich auch einfach irgendein Kennzeichen zuteilen lassen und hat dann eben irgendeine Buchstabenkombination, die gar nichts bedeutet.”

Der Goldneffe denkt nach und begreift. Er ist nämlich wirklich ein sehr kluges Kind, dem man viele Dinge schon ganz normal erklären kann.

Auch ich denke nach. Stimmt, der Goldneffe kennt es gar nicht anders. In der gesamten angeheirateten Familie meiner Schwester wird das so gemacht. Ebenfalls im gesamten Freundeskreis der Familie. Jedes Autokennzeichen muss die richtige Buchstabenkombination haben, viele auch noch eine passende Zahl. Das ist dann meistens das Geburtsjahr, also neunzehnhundertirgendwas. Oder – vermutlich dann, wenn das Geburtsjahr nicht zu haben ist -  das Jahr des Autokaufs. Also in der Regel zweitausendirgendwas.

Und auch hier am neuen Wohnort, fällt mir ein, kenne ich einige Autofahrer, die ein angepasstes Kennzeichen haben. Eins davon finde ich besonders lustig. Eine Bekannte, die zufälligerweise dieselben Initialen wie der große deutsche Automobilkonzern mit Hauptsitz in Niedersachsen hat, fährt diese Initialen nun seit einigen Monaten auf einen Kleinwagen eines französischen Herstellers durch die Lande. Und ich muss immer grinsen, wenn ich dieses Auto sehe.

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Viel zu schnell

Es kommt mir heute wie ein seltsamer Zufall vor. An gleichen Tag Anfang April, an dem ich hier über die vielen Tassen schrieb, die sie früher für meine Schwester und mich getöpfert hat, am gleichen Tag saß sie beim Arzt und erfuhr von der Diagnose, dem Grund, warum es ihr seit Wochen schon ständig so schlecht ging.

Bauchspeicheldrüsenkrebs

Am nächsten Tag rief sie mich an, um es mir zu sagen. Und versicherte mir voller Mut und Optimismus, alles medizinisch mögliche unternehmen zu wollen, um dagegen anzukämpfen.

Sie hat es versucht, hat sich durch zwei Behandlungszyklen Chemotherapie gequält, sich furchtbar quälen lassen, ist dabei immer mehr zum Schatten ihrer selbst geworden und hat schließlich doch aufgegeben.

Am Freitag um 14 Uhr hat sie für  immer den Ort verlassen, der in den letzten 28 Jahren ihre Heimat war. Und sich auf die Palliativsation der nahe gelegenen Universitätsstadt verlegen lassen um sich dort einen letzten Rest Würde zu erhalten.

Diese Station wird wahrscheinlich die letzte Station in ihrem Leben sein. Die letzte Station im Leben meiner lebensfrohen, schönen und immer Optimismus ausstrahlenden Mama.

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tassenlogo14

Nummer Vierzehn ist ein NTO (Nicht-Tassen-Objekt) und ein altes Familienerbstück: Ein Teller aus der Kindheit meines Großvaters.

Kinderteller

Kinderteller für Generationen

Mein Großvater ist 1991 im Alter von 80 Jahren gestorben – jetzt wäre er also schon kurz vor Hundert. Dieses Tellerchen bekam er als kleiner Junge, das muss noch zu Kaisers Zeiten gewesen sein. Nach meinem Großvater aß irgendwann mein Vater von diesem Tellerchen, noch später meine Schwester und ich und heute ißt gelegentlich mein Goldneffe davon – in der vierten Generation!

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