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Mit ‘Kiel’ getaggte Artikel

Eben beim Müllrausbringen sah ich einen Nachbarn im Tiefschnee maulwurfgleich um sein Auto krabbeln und die Reifen wechseln. Tja, besser spät als nie. Der eine merkt es früher, der andere später, wann es an der Zeit ist.
Aber das nur nebenbei.
Um ein bißchen zu veranschaulichen, was in den letzten Tagen hier los war, verlinke ich heute mal auf zwei Blogartikel von Gesche=Yael, deren Einsichten und Erlebnisse mir auch sonst immer eine Kaffeepause am Rechner wert sind. Nicht nur, weil man in diesen beiden Artikeln (ok, bei zweiten handelt es sich eher um ein Video) einen ganz wunderbaren Eindruck vom hiesigen Schneechaos bekommt, sondern weil sie schlicht und einfach herrlich sind.

kultur in kiel: eventkünstler t. winter in town!

der nächste tag

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Schneechaos

Heidewitzka!
Ich weiß ja nicht, was anderswo so los ist. Aber hier geht heute gar nix mehr.
Seit letzter Nacht tobt hier ein knackiger Schneesturm, endlos wird die riesige Puderdose über dem Norden geschüttelt. Autos, die am Morgen geparkt werden, haben schon am Mittag ein dickes weißes Mützchen auf.
Busse kommen nicht durch. Der Bus der nicht wie alle anderen nur oben an der Hauptstraße hält, sondern eine Runde durchs Dörfchen dreht, hat Gerüchten zufolge bereits den Verkehr eingestellt, die innerdörfliche Steigung vom Kanal hoch war zuviel bei dem Wetter. Und nein, hier an der Ostküste ist Schleswig-Holstein nicht platt wie ein Pfannkuchen. Wenn von den Bussen, die hier normalerweise in sieben oder acht Linien mehrmals in der Stunde Richtung Innenstadt oder wieder zurück fahren, stündlich ein oder zwei die Haltestelle erreichen, herrscht Freude pur. Im Bus dann Gruppenkuscheln und an jeder Haltestelle fröhliches Tetrisspielen. Die einen wollen raus, die anderen rein, die, die eigentlich noch drinbleiben wollen, steigen trotzdem mit aus, damit überhaupt was geht. Dennoch, die Stimmung ist eher heiter als angepisst.
Je weiter der Bus sich dem Kanal nähert, desto mehr steigt die Spannung unter den Fahrgästen – wird der Bus die Steigung auf die Hochbrücke hinauf schaffen oder nicht?
Er schafft die Steigung. Erleichterung, gleich bin ich zuhause.
Doch dann, Durchsage des Busfahrers, die große Haltestelle an der Ortseinfahrt zum Dörfchen kann nicht angefahren werden, er muss auf der Schnellstraße stadtauswärts bleiben. Ein Bus ist auf der Kreuzung ins Rutschen geraten und quer in die erst letzte Woche über mehrere Tage erneuerte Ampelanlage gerauscht. Da steht er nun, umgeben von Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen… Fahrgäste, die ins Dörfchen wollen, werden an der Zufahrt zur Schnellstraße ein Stück weiter rausgelassen und dürfen durch den Tiefschnee stapfen.
Also, ich habe es dann nachhause geschafft, aber ich denke, ich kann sagen, ich bin hier eingeschneit. So richtig. Im Prinzip habe ich erstmal alles Lebensnotwendige da, dennoch überlege ich, nochmal schnell zum Kleinstsupermarkt in der Nachbarschaft zu stapfen und noch etwas vorzusorgen. Denn wer weiß, wie es morgen da draußen aussieht…

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…und zwar zu den Einheimischen in einer Gegend, in der andere Urlaub machen.

Heute nach langer Zeit mal wieder mit der Fähre zum Einkaufen gefahren. (Und vermutlich auch das letzte oder zumindest eines der letzten Male.)
Unten am Anleger ein Trüppchen Touristen. Fahrradtouristen um genau zu sein. Als ich die Treppe zum Steg hinuntergehe, schielt einer gerade auf den lediglich pro forma dort hängenden Fahrplan.
“Um siebenundzwanzig fährt wieder eine!” ruft er den anderen zu.
Ich verkneife mir ein “Vergessen Sie den Fahrplan, guter Mann, der fährt einfach nur immer hin und her!” und betrete den Steg. Lehne mich lässig ans Geländer, schaue aufs Wasser, sehe den größeren und kleineren Schiffen zu, schaue rüber zur Schleuse, sehe die Wolken sich in der krisseligen Wasseroberfläche spiegeln, fühle, wie der Wind an meiner Jacke zerrt…
“Schaut mal, da können ja doch Fahrräder drüberfahren!” Einer der Touris deutet aufgeregt in Richtung Hochbrücke.
“Nee, jetzt sind wir aber hier unten.” kommt die entnervte Antwort einer Mitstreiterin.
(Die Angehörigen des Trüppchens tragen übrigens alle etwa handtellergroße, metallene Fahrräder an Schüren um den Hals.)

Am entgegengesetzten Ufer setzt sich der Schuhkarton Adler in Bewegung und nimmt Fahrt auf den hiesigen Anleger. Das Trüppchen um mich herum beginnt aufgeregt durcheinander zu reden.
“Huch, hoffentlich passen wir da überhaupt alle drauf!”
“Sonst müsst ihr drüben auf uns warten!”
Ich drehe kurz den Kopf, nehme das Trüppchen in Augenschein und grinse in mich hinein. Zugegeben, der Schuhkarton sieht so von weitem übers Wasser schon manchmal noch kleiner aus, als er ist, aber sooooo klein ist er auch wieder nicht.
Ich drehe mich nochmals um und der Wortführer des Trüppchens identifiziert mich als Einheimische. Wenn der wüsste, das ich ‘ne Zugezogene aus dem Süden bin…
“Sagen Sie mal, passen wir da alle auf einmal drauf? Mit den Rädern?”
Ich lasse meinen Blick über den Steg schweifen.
8 Fahrradtouris.
8 Räder.
Ich lächle mild.
“Aber locker passen Sie da drauf!”

Der Adler legt an und als die vorherigen Fahrgäste ausgestiegen sind und die neuen das Schiff geentert haben, ist das hintere, offene Deck mit den Fahrradständern gerade mal zur Hälfte gefüllt. Das vordere, geschlossene Deck mit den Sitzplätzen ist quasi leer.

Noch gehöre ich hier zu den Einheimischen. Noch darf ich während der Sommermonate über die Touris lästern…

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Blognachbarin Feronia wünscht sich zur Bewältigung von Einschlafschwierigkeiten Bilder von dicken schlafenden Tieren – leider zwei Tage zu spät, denn am Sonntag wäre mir im Wildpark zu Raisdorf wohl so manch wohlgenährtes, in der Nachmittagssonne dösendes Exemplar vor die Linse gekommen. Da Frau Zimtapfel aber selten irgendwelche Mühen scheut, um die Wünsche ihrer Mitblogger zu erfüllen, begab ich mich also in der dicksten Mittagshitze des heutigen Tages, nein, nicht nach Raisdorf, das wäre ohne Auto denn doch etwas weit, aber immerhin zum kleinen Wildgehege auf der anderen Seite der Hochbrücke.

Ein Schild noch vor dem eigentlichen Parkeingang versprach Großes:

Dicke schlafende Hochlandrinder anywhere?

Aber leider – weit und breit kein Schottisches Hochlandrind zu sehen. Weder wach noch schlafend, weder dick noch dünn.

Weiter ging es ins Wildgehege hinein, hier war es immerhin angenehm schattig. Doch auch hier – gähnende Leere, vereinsamte Tiergehege. Fast glaubte ich schon, alle Insassen des Wildgeheges weilten gemeinsam in der Sommerfrische auf den Nördlichen Hebriden. Alle, bis auf dieses einsam in der Mittagssonne grasende Reh, das offenbar den Flieger verpasst hatte und allein hierbleiben musste:

Einsam weil Urlaubsflug verpasst

Doch dann, nach einer Weile ziellosen Umherstreifens in einem Wildgehege fast ohne Tiere, sah ich sie – eine Wildschweinfamilie! Durchaus wohlgenährt und definitiv schlafend. Voilá:

Mission accomplished!

Dicke schlafende Wildschweine! Ziel erfüllt!

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Spontan und ungeplant ist meist am schönsten. So jedenfalls gestern.
Dieses Wochende war wieder einmal der Liebste zuhause, was ohnehin immer eine große Freude ist. Samstag nachmittag, wir verstauten gerade die Einkäufe im Kleinen Schwarzen Auto, wollte der Liebste sich schnell noch am Stand im Eingangsbereich des Supermarktes eine Bratwurst holen. Da ich auch Hunger hatte, mich jedoch ganz andere Verheißungen verlockten, schlug ich vor, doch mal eben schnell auf den Internationalen Markt der gerade beginnenden Kieler Woche zu gehen und dort nach adäquaten Leckereien Ausschau zu halten.
Gesagt, getan.

Verheißungen und Verlockungen

Als wir den Rathausplatz erreicht hatten und nach einem Moment der Orientierung unser Hüngerchen gestillt hatten – bei mir gab es einen leckeren, wenn auch leicht überteuerten spanischen Tapasteller, der Liebste gönnte sich nach einer Vorspeise aus Poffertjes als zweiten Gang eine Portion Cevapcici bei der Vertretung Serbiens – stellten wir fest, das das “Anglasen”, die offizielle Eröffungszeremonie der Kieler Woche, kurz bevorstand. Da dies ja nun aller Wahrscheinlichkeit nach vorerst unsere letzte Kieler Woche ist, beschlossen wir, uns das nun auch einmal anzusehen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich schon vorher irgendwo gelesen hatte, das diesmal kein geringerer als unser allerbester Kieler Tatortkommissar Borowski alias Axel Milberg die Glocke schlagen würde.
Begleitet wurde die Zeremonie, insbesondere der Auftritt des hiesigen Ministerpräsidenten – hier im Hause nur “der dicke Peter-Harry” genannt – von lautstarken Studentenprotesten. Worum es dabei im einzelnen geht, da stecke ich nicht so wirklich drin, diverse Kürzungen, Schließungen, Institutszusammenlegungen, soweit ich das mitbekommen habe. Vermutlich genau das gleiche, was in Niedersachsen, wo ich damals lebte und auch noch studierte, vor ca. 7 Jahren ablief. Dennoch, für jemanden, der neun Jahre in der kleinen Universitätsstadt in der Provinz Südniedersachsens gelebt hat, ist es schon unglaublich beeindruckend, wie zwar durchaus unüberhörbar und unübersehbar, aber dennoch vollkommen friedlich, vollkommen frei von gewalttätiger Randale solche Proteste auch ablaufen können. Aber das nur am Rande.
Nachdem wir also erfolgreich gemeinsam mit Herrn Borowski…äh…Milberg die Kieler Woche eröffnet hatten, wurde der Topact des Abends auf der Bühne am Rathausplatz angekündigt: Horst Köhler! Nein, nicht der Bundesverpisser, sondern ein anderer, der Name ist ja auch wirklich nicht gerade einzigartig. Weshalb der, um den es hier geht, auch unter einen Pseudonym unterwegs ist. Es treten also auf:
Gildo Horn und die Orthopädischen Strümpfe!
Spontan beschlossen wir, uns auch das anzusehen und wurden nicht enttäuscht. Wer wie ich den Meister noch nie live gesehen hat und bisher nur seinen Eurovisions-Auftritt von 1998 kannte oder noch nicht einmal den, es soll ja unverständlicherweise immer noch eiserne Eurovisionsverweigerer geben, jedenfalls, dem sei gesagt, wenn ihr jemals die Gelegenheit habt: es lohnt sich!
Schmalzige alte Schlager herzhaft präsentiert, eingebettet in ein Feuerwerk aus Wortwitz und rheinländischem Charme. Begleitet von fast sovielen Outfitwechseln wie bei einem Madonna-Konzert. (Nicht, das ich jemals auf einem Madonna-Konzert gewesen wäre, aber man hört ja so einiges.)

Gildo Horn und die Orthopädischen Strümpfe

Zu Ehren der Kieler Woche im Sascha-Hehn-Outfit

Irgendwann während des Konzerts nahm der junge Mann vor uns seinen Filius auf die Schultern, was mir ein klein wenig die Sicht auf die Bühne nahm. Bei dem reizenden Anblick, der sich nun bot, konnte ich allerdings kaum böse sein:

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Tja. ich habe ja mit allem gerechnet. Mit einer totalen Pleite, mit einer einigermaßen guten Platzierung im Mittelfeld, möglicherweise auch noch mit den Top Five, wobei  ich da schon sehr skeptisch war. Ich konnte mir einfach so überhaupt nicht vorstellen, dass das Fräulein Lena mit ihrem seltsamen Gesang den europäischen Massengeschmack auch nur annnähernd trifft. Aber damit hätte ich nun wirklich überhaupt nicht gerechnet.
Dennoch, ganz unhabhängig vom Beitrag war es schon ziemlich cool, einmal eine Punktewertung verfolgen zu können, in der es alle naselang hieß: “l’allemagne douze points” oder “Germany twelve points”. Und das ist so netter Runde! Es war ein wirklich schöner und sehr lustiger Abend bei Herrn und Frau Schonzeit, die für dieses Ereignis in ihr gemütliches Domizil geladen hatten, zusammen mit Bea, Schaps und zwei weiteren, nichtbloggenden Gästen. (Das es so etwas noch gibt, tss…) Und nicht zu vergessen einem sehr kritisch schauenden VIP-Gast auf dem Roten Sofa.

kritisch das Geschehen beobachtend

Und, last but not least, der Käseigel, Mittelpunkt jeder anständigen Grand-Prix-Party:

Der Käseigel. Zum Gedenken an Alf Igel.

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Wenn ich gedankenverloren in der Linie 91 sitze und aus dem alles verzerrendem Lautsprecher die dahingenuschelte Haltestellenansage
“Universität – Weltfrieden!”
an mein Ohr dringt, dann erscheint  vor meinem inneren Auge sogleich Sandra Bullock in Miss Undercover und ich muss mich ersteinmal orientieren, wo ich jetzt überhaupt bin.

In Wirklichkeit heißt die Haltestelle übrigens Universität/Westring.

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Hatten wir letzte Woche noch den Bekannten aus Berlin für zwei Tage zu Besuch, der in seiner Eigenschaft als Polizist schon durch so manches Tatortbild stolperte, rief eben die Agentur an, um meine Wenigkeit für eine Szene zu engagieren. Hach! Ruhm und Ehre!
Auch wenn ich noch nicht wieder so gut zu Fuß bin, machbar wäre es. Halbwegs normal gehen oder auch nur in der Landschaft rumstehen kann ich schon wieder sehr gut, lediglich rennen ist definitiv nicht drin. Ein Problem könnte der Drehort sein, der diesmal wohl ein bißchen außerhalb liegt, der Liebste und das Kleine Schwarze Auto sind an exakt diesem Tag aber unterwegs zum neuen Job. Gut, evtl. ließe sich das trotzdem organisieren.
Das größere Problem ist jedoch, das ich exakt an diesem Tag und zwar nicht frühmorgens, sondern mitten drin, einen Termin beim Operateur habe. Und beim Versuch, diesen um ein oder zwei Tage zu verschieben, erfuhr, dass erst in 3 Wochen wieder Termine frei seien. Das ist mir dann, da es eben doch um was bedeutendes geht, nämlich um mein Knie, einfach zu weit weg. Und so verzichte ich schweren Herzens.
Schade! Gerne hätte ich mich noch einmal vor die Kameras geworfen, hätte noch einmal in einem Tatort mit Herrn Borowski mitgewirkt, für Ruhm und Ehre und überhaupt. Wäre dies doch vermutlich meine letzte Möglichkeit gewesen, beim Kiel-Tatort dabeizusein. Aber – es soll wohl nicht sein.

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Ja, es ist Winter. Immer noch.
Ja, mittlerweile taut es allüberall. Nur nicht hier.
Ja, anderswo schreibt man heute teils zweistellige Temperaturen im Plusbereich.
Ja, einzig und allein Kiel hat heute ein klitzekleines Minus vor der Außentemperatur. Aber es ist unverkennbar ein Minus.
Vom Schnee, der gestern schon wieder den ganzen Nachmittag und Abend in dicken, schweren Flocken vom Himmel fiel, will ich gar nicht reden.

Ist das denn gerecht? Wir Nordlichter wollen bitte auch unseren Anteil vom Frühling haben!

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Seit Tagen liegt mir etwas allerschwerst im Magen und auf der Seele und ich weiß nicht, wie ich es rüberbringen soll, weil es eigentlich vollkommen blöd von mir ist. Das weiß ich selbst.

Mein Liebster hat ein Jobangebot bekommen, ein sehr gutes Angebot, und das noch vor Abschluss seines Studiums. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn er ist halt auch ein ganz toller Mann und das weiß nicht nur ich. Und ich freue mich wahnsinnig und bin total stolz auf ihn, das er solche guten Angebote bekommt. Und bin mir aber auch sicher, eben weil er so ein toller, intelligenter, fähiger und fleißiger Mann ist und das auch weithin bekannt ist, das sicherlich noch einige solche Angebote kommen werden.
Der Haken an dem angebotenen Job: Er ist in einer Stadt, in der ich nicht wirklich leben will, einer Stadt, die mal um eine Autofabrik herum gebaut wurde und mitten im ostniedersächsischen Niemandsland liegt. Und ich bekomme nach und nach immer mehr Beklemmungen, Magenschmerzen und Panikattacken bei dem Gedanken, dorthin ziehen zu müssen.
Ich bin vor noch nicht zwei Jahren hierher an die Küste gezogen, habe eine ganze Weile gebraucht, mich hier einzugewöhnen, obwohl es mir durchaus von Anfang an gefallen hat hier, sonst hätte ich das nicht getan. Ich habe gerade erst vor kurzem so etwas wie einen feinen kleinen Freundeskreis gefunden, ich bin eben leider kein Mensch, der schnell und spontan Freundschaften schließt, bei mir braucht so etwas seine Zeit.
Diese Stadt, diese Gegend hier, das wird mir gerade erst bewusst, ist mir inzwischen Heimat geworden. Meine eigentliche Heimat, den Ort, an dem ich aufgewachsen bin, habe ich Mitte letzten Jahres endgültig verloren. Zwar gehört mir seitdem ein Drittel Hof dort, aber es gibt nichts mehr, was mich dort hinzieht, es nicht mehr der sichere Hafen, der es jahrelang für mich war. Und nun soll ich schon wieder den Ort verlassen, an dem ich mich gerade erst ein wenig verwurzelt fühle?

Ich kann das nicht. Jedesmal, wenn ich hier in unserer Wohnung aus dem Fenster sehe, denke ich, ich will hier nicht weg. Jedesmal, wenn ich irgendwo einen Blick auf die Förde erhasche, denke ich, das kann ich doch nicht verlassen. Es zerreißt mir das Herz, wenn ich das tiefe, allmittägliche Tuten der Norwegenfähre höre. Wenn ich irgendwo im Fernsehen oder auch in anderen Blogs Bilder von der Küste sehe, dann schießen mir die Tränen in die Augen. Wenn ich an die Freunde denke, die ich hier jetzt endlich gefunden habe, dann sowieso.
Ich bin so zutiefst unglücklich und verzweifelt beim Gedanken, in diese Stadt ziehen zu müssen. Wenn ich schon hier in einer Landeshauptstadt bisher keine Arbeit gefunden habe (aber so schnell gebe ich ja nicht auf), wie soll ich dann dort überhaupt jemals etwas finden? Vollkommen aussichtslos, es gibt dort ja nichts. Ich habe Angst, dort lebendig begraben zu sein.
Ich weiß ja selbst, ich bin total selbstmitleidig und ganz furchtbar egoistisch, ich fühle mich deshalb auch total schrecklich. Ich weiß ja selbst, heutzutage muss man verdammt froh sein, überhaupt Arbeit zu finden. Aber muss es denn ausgerechnet dort sein? Jeder andere Ort würde mich – so denke ich jedenfalls – weitaus weniger in Verzweiflung stürzen.
Ganz abgesehen davon, das ich auch Angst habe, das sich der Liebste, wenn er jetzt – Sicherheit geht vor! – dieses erste Angebot gleich annimmt, andere Möglichkeiten verbaut, die sich vielleicht etwas später ergeben würden. Und das wäre so schade.
Dieses ganze Chaos, das da in mir tobt, lässt gerade alles andere, das eigentlich auch gerade wichtig ist, vollkommen in den Hintergrund treten: Die in einer Woche bevorstehende Knie-OP und die Vorbereitungen darauf, die gerade stagnierende Arbeitssuche, die ich mir dann ja wohl auch eigentlich schenken kann und auch mein anderes gesundheitliches Problem, mit dem ich mich nun schon seit bald zweieinhalb Jahren herumschlage und das sich immer noch nicht wesentlich verbessert hat, das ganz im Gegenteil gerade wieder richtig fies wird.
Ich bin extrem durcheinander und hoffe und bete, das sich doch noch irgendetwas anderes für uns ergibt. Wo ich mich doch eigentlich für meinen Liebsten freuen müsste.

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