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Mit ‘Reise’ getaggte Artikel

Gerade sehe ich in der Tagesschau einen Bericht über den Eurostar, der letzte Nacht mit 2000 Passagieren aufgrund von technischen Problemen wegen des Wintereinbruchs 15 Stunden im Tunnel unter dem Ärmelkanal festsaß. Schrecklich! Ich wäre gestorben vor Angst!

Das erinnert mich an mein kleines Tunneltrauma von vor 11 Jahren. Damals war ich zum letzten Mal in London, einer Stadt, die ich sehr liebe. Im August/September 1998, ich hatte gerade mein 1. Semester mehr oder weniger erfolgreich hinter mich gebracht, ein bißchen was auf dem Konto und war noch so unternehmungsfreudig, ganz allein in ein fremdes Land zu reisen, was ich mich heute leider nicht mehr so traue. Aber eigentlich war England damals auch kein fremdes Land für mich, ein Schüleraustausch und zwei Sommerferiensprachkurse hatten dafür gesorgt, das ich mich dort heimisch fühlte, wie sonst kaum irgendwo. Also machte ich mich auf und organisierte zwei Wochen London. Eine Unterkunft war schnell gefunden, Bed and Breakfast in Hounslow, 3 S-Bahn-Stationen vor dem internationalen Luftfahrtknotenpunkt Heathrow und inzwischen bekannt aus dem Film Kick it like Beckham (was habe ich mich gefreut, als ich den Film im Kino sah und etliche Plätze und Straßen wiedererkannte).

Weiter ging es mit dem Fortbewegungsmittel. Fliegen stand von vornherein nicht zur Diskussion, mit dem Auto wollte ich nicht wegen Linksverkehr, standen also Bahn und Bus zur Auswahl. Trotz des einige Jahre vorher eröffneten Eurotunnels stand für mich aber außer Frage, das ich den Kanal mit der Fähre überqueren wollte. Großbritannien ist eine Insel, da fährt man mit dem Schiff hin. Fertig, aus. Eine Freundin, die einige Monate zuvor mit derselben Buslinie drüben war, die ich nun ins Auge gefasst hatte, erzählte, man würde dort die Fähre Calais-Dover benutzen. Alles prima, der Bus war ohnehin deutlich billiger als die Bahn, also wurde er gebucht.

Am Tag der Abreise schließlich saß ich im Bus und freute mich. Auf mein Reiseziel, auf die Fähre, auf viele schöne Tage in London… Der Bus fuhr gemächlich über belgische Autobahnen, da hörte ich plötzlich aus der Unterhaltung des Pärchens auf den Sitzen vor mir einen Satz heraus: “Und wann kommen wir an den Tunnel?” Ich schreckte hoch: “Was? Tunnel? Welcher Tunnel?” Es stellte sich heraus, das der Bus sehr wohl den Tunnel benutzen würde.  Einige Monate vorher, als meine Freundin mit dem Bus gefahren war, war es wohl noch teurer gewesen, aber inzwischen war es für das Busunternehmen günstiger, diesen Weg zu nehmen. Und wohl auch schneller. Na dann. Wohl oder übel fügte ich mich in mein Schicksal.

Stunden später, mitten in der Nacht fuhren wir nach etlichen Zoll- und Grenzkontrollquerelen am Tunneleingang vor. Der Bus fuhr in den bereitstehenden Shuttlezug und nach einer Weile des Wartens ging es los, der Shuttlezug setzte sich in Bewegung, fuhr in den Tunnel ein und raste schließlich 40 Meter unter dem Meeresgrund durch die Nacht. Und ich saß auf meinem Platz im Bus und steigerte mich in einen mittelschweren Panikanfall hinein.

40 Meter unter dem Meeresboden, in einem von Menschenhand gebauten Tunnel. Kann so ein Bauwerk überhaupt halten? Wie viele Tonnen an Wassermassen da wohl von oben drücken mögen? Ob wir es wohl rechtzeitig hindurch schaffen, bevor das Ding in sich zusammenstürzt? Kühle Rationalität ist nicht immer meine Stärke.

Um mich herum schliefen die meisten Mitpassagiere, es war ja auch mitten in der Nacht. Und auch ich war hundemüde, versuchte aber verzweifelt, wachzubleiben, bloß nicht einzuschlafen. Denn ich konnte es ganz deutlich spüren: Die Luft im Bus wurde immer dünner, der Sauerstoff immer weniger. Kein Wunder, in so einem komischen Tunnel mitten unter dem Meer! Und wenn ich jetzt einschliefe, dann würde ich womöglich nicht mehr aufwachen. Also wachbleiben, mit aller Gewalt.

Irgendwann, nach vielen, vielen Stunden ca. einer dreiviertel Stunde erreichte der Shuttle das britische Folkstone, der Bus fuhr wieder aus dem Shuttle heraus und, oh Wunder, ich und auch alle anderen Passagiere waren gesund und munter. Als der Bus auf die Autobahn gen London fuhr, glomm gerade das erste Morgenlicht hinterm Horizont empor, feucht glänzten die silbernen Morgennebel in den grünen Hügeln Südenlands. Als wir in London einfuhren, ging die Sonne auf. Ich hatte den Tunnel überstanden und alles war gut.

Der geneigte Leser fragt sich nun vielleicht, wie ich das dann wohl auf dem Rückweg organisiert habe. Ob ich die schon gebuchte und bezahlte Busfahrt sausen ließ und die Fähre nahm, ob ich alle guten Vorsätze vergaß und mit dem Flugzeug heimkehrte. Aber nein. Ich nahm den Bus und mit ihm den Tunnel. Diesmal hatte ich immerhin fast zwei Wochen Zeit, um mich mental auf dieses Erlebnis vorzubereiten. Und stellte schließlich fest: Eigentlich ist es doch gar nicht so schlimm!

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Aufbruch zu neuen Ufern

Gestern abend, als ich in der Küche am werkeln war, da hörte ich plötzlich eifriges Getuschel und Geraschel aus dem Wohnzimmer. Vorsichtig lugte ich um die Ecke und da sah ich es:

Engelbeutel

Wollen wir langsam mal weiter? - Doch, ja. Wird mal wieder Zeit!

Die Engel standen neben ihrem Reisebeutelchen, steckten eifrig die Köpfe zusammen, und besprachen, wohin es denn nun weitergehen soll.

Einen Moment später hatten sie schon ihre schicken blauen Reisemäntelchen übergeworfen und der erste Engel verschwand im Beutelchen:

Beuteleinstieg

Tschüss! Machs gut!

Und auch der zweite Engel kam – schnell noch ein fröhliches Abschiedsnicken in meinem Richtung – direkt hinterhergekrochen.

Engelinbeutelkrabbel

Hm, ist doch eigentlich ganz kuschlig da drin.

Und dann lag er da, der gut gefüllte Reisebeutel. Zu hören war nur noch ein leises, zweistimmiges Schnarchen.

Engelreisebeutel

*zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz*

Also nahm ich den Beutel und schickte ihn mit den beiden freundlichen Engeln darin auf die Reise.

Wohin? Wir werden es sehen. Demnächst…

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Übungen der Gelassenheit

Bahnfahren – eine immerwährende Übung in Gelassenheit.

Andere gehen dafür in buddhistische Kloster, zahlen hohe Summen für Kurse bei hochqualifizierten Trainern, schlucken fiese Medikamente – ich fahre Bahn. Inklusive Umsteigen mit fahrplanmäßig eingeplanten 9 Minuten und der Überbrückung von 12 Bahnsteigen zum Erreichen des Anschlusszuges.

Bin ich auch früher bei ähnlichen Gelegenheiten wutentbrannt mit kochendem Blut, Zornesblitze aus den Augen schleudernd über Bahnhöfe gestürmt um mir den nächsten verfügbaren Bahnangestellten zu schnappen und ein wenig zu würgen, weil ich wieder einmal meinen Anschlusszug mit meinem reservierten Sitzplatz verpasst habe -

- dieses Mal entschloss ich mich, ganz entspannt zu sein. Vollkommen gelassen. Kriege ich diesen Anschlusszug nicht – egal. Nehme ich halt den nächsten. Was solls! Ich komme schon irgendwie ans Ziel. Es fährt immer irgendein nächster Zug. In dem habe ich zwar keinen Platz reserviert und die Züge sind gerade ganz schön überfüllt, so das ich mit meinem derzeit etwas zickigen linken Knie dann vermutlich zwei Stunden stehen darf, aber denoch. Alles ist gut. Gelassenheit. Om. Alles fließt. Ich bin ganz entspannt. Der Weg ist das Ziel.

Bahnpersonal, hüte dich! Wenn ich das nächste Mal unterwegs bin und zufällig gerade Hormone habe, dann sieht das schon wieder ganz anders aus.

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Hmpf

Gut, wenn man spät abends vor der Abreise noch schnell ein paar Bilder von der Digiknipse auf den Rechner zieht und dabei bemerkt, das der Akku nicht mehr allzuviel Saft hat. Dann kann man ihn prima über Nacht nochmal ans Ladegerät hängen.

Blöd, wenn Digiknipse und Akku am nächsten Morgen bei der Abreise dann keinen Ton sagen um sich bemerkbar zu machen und infolgedessen nicht mitfahren dürfen. So reisen zwar die Fotomodells – auch als Engel bekannt – mit, können aber dabei nicht fotografisch dokumentiert werden.

Also keine Engelbilder vom Tantengeburtstag am Rhein. Schade.

Na, muss ich wenigstens nicht der kompletten versammelten Verwandschaft wieder und wieder erläutern, was es mit diesen Engeln und mit dem bloggen und dem Internet überhaupt so auf sich hat.

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70

Das Geschenk für die Tante ist eingepackt.

Das Ticket ist ausgedruckt.

Die Reisemäntelchen sind angelegt.

Es kann losgehen.

Tantenengel

Hoffentlich baut die Bahn keinen Mist!

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Home, sweet Home!

Der Liebste ist wohlbehalten aus Mormonenhausen zurückgekehrt und hat mir meine Digiknipse zurück und viele feine Dinge mitgebracht.

Wenn jetzt auch noch sein Gepäck hier eintrifft, dann ist alles gut. Das hat nämlich in Chicago den Anschlussflug verpasst.

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