Manchmal stellt man sich ja schon die Frage, wozu man eigentlich bloggt.
Um Erlebtes festzuhalten, Gedanken, Erinnerungen, besonders lustige oder besonders ärgernliche Alltagserlebnisse, um große Freude aber auch große Trauer mit anderen zu teilen. So jedenfalls sind meine Beweggründe, grob zusammengefasst. Die Blogs, die ich gerne lese, sind sich darin alle mehr oder weniger und in gewisser Weise ähnlich. Sie behandeln die unterschiedlichsten Lebenswelten und Thematiken, sind darin aber eben auch sehr authentisch und mit sympathischer, schön zu lesender Schreibe geschrieben, nicht mehr, nicht weniger.
Ein paar ganz, ganz wenige Blogs lese ich nur hin und wieder, ganz, ganz selten, nicht, weil ich so gern darin lese, sondern weil ich irgendwann mehr zufällig darauf gestoßen bin und immer mal wieder neugierig bin, was sich da inzwischen so tut. Weil ich zum Beispiel irgendwann mal in einem meiner gerne zu lesenden Blogs über einen besonders dummen, blöden Kommentar gestolpert bin und eben mal nachsehen wollte, wer da dahintersteckt. Manchmal ist das ja so wie bei einem Unfall. Man will eigentlich gar nicht hinsehen, kann aber nicht damit aufhören.
Und da frage ich mich dann gelegentlich, warum eigentlich. Warum bloggt der- oder diejenige eigentlich?
Denn da stehen immer wieder lustige Geschichten, Anekdoten, Erlebnisse, geschrieben wie selbst erlebt. Und in den Kommentaren überschlägt sich alles mit erstaunten, beeindruckten Fragen: Ist ja der Hammer, und sag nur, was hast du da gemacht, wie hast du da reagiert? Und irgendwann kommt dann zögerlich die Antwort: Ja nee, mir ist das ja gar nicht passiert, ich hab davon nur im Radio gehört / in der Zeitung gelesen.
Oder es steht ein sehr nachdenklicher, leiser Text über dieses oder jenes Phänomen da. Auch dieser ganz ohne Zusatz, so das man natürlich annimmt, er sei vom Blogbetreiber verfasst. Aber irgendwie kommt einem der Satzbau, kommen einem die Worte doch bekannt vor, bringen irgendeine Erinnerung in einem zum Klingen. Und tatsächlich, auf die beeindruckten Kommentare: Hach, das hast du aber wunderschön geschrieben, liebe XY – kommt irgendwann ganz unten die zögerliche Antwort: Ja nee, das ist ja von Autor XY, ich fand’s halt so schön, das ichs mal gebloggt habe.
Mal ganz abgesehen davon, das man solches einfach nicht tut, das so etwas Diebstahl geistigen Eigentums ist, das der Hinweis auf den wahren Verfasser eben nicht irgendwo ganz unten in die Kommentare zu einem Beitrag gehört, sondern mindestens direkt an den Text, ganz abgesehen davon frage ich mich: Wozu. Wozu bloggt ein Mensch eigentlich, wenn er so gar nichts eigenes zu sagen hat, sich nur immer wieder mit fremden Federn schmücken kann?
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Wozu eigentlich
Veröffentlicht in Ärgernisse, Fragen und Antworten, Gedanken, tagged bloggen, Blogger, sich mit fremden Federn schmücken am 17/10/2011 | 16 Kommentare »


