Spontan und ungeplant ist meist am schönsten. So jedenfalls gestern.
Dieses Wochende war wieder einmal der Liebste zuhause, was ohnehin immer eine große Freude ist. Samstag nachmittag, wir verstauten gerade die Einkäufe im Kleinen Schwarzen Auto, wollte der Liebste sich schnell noch am Stand im Eingangsbereich des Supermarktes eine Bratwurst holen. Da ich auch Hunger hatte, mich jedoch ganz andere Verheißungen verlockten, schlug ich vor, doch mal eben schnell auf den Internationalen Markt der gerade beginnenden Kieler Woche zu gehen und dort nach adäquaten Leckereien Ausschau zu halten.
Gesagt, getan.
Als wir den Rathausplatz erreicht hatten und nach einem Moment der Orientierung unser Hüngerchen gestillt hatten – bei mir gab es einen leckeren, wenn auch leicht überteuerten spanischen Tapasteller, der Liebste gönnte sich nach einer Vorspeise aus Poffertjes als zweiten Gang eine Portion Cevapcici bei der Vertretung Serbiens – stellten wir fest, das das “Anglasen”, die offizielle Eröffungszeremonie der Kieler Woche, kurz bevorstand. Da dies ja nun aller Wahrscheinlichkeit nach vorerst unsere letzte Kieler Woche ist, beschlossen wir, uns das nun auch einmal anzusehen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich schon vorher irgendwo gelesen hatte, das diesmal kein geringerer als unser allerbester Kieler Tatortkommissar Borowski alias Axel Milberg die Glocke schlagen würde.
Begleitet wurde die Zeremonie, insbesondere der Auftritt des hiesigen Ministerpräsidenten – hier im Hause nur “der dicke Peter-Harry” genannt – von lautstarken Studentenprotesten. Worum es dabei im einzelnen geht, da stecke ich nicht so wirklich drin, diverse Kürzungen, Schließungen, Institutszusammenlegungen, soweit ich das mitbekommen habe. Vermutlich genau das gleiche, was in Niedersachsen, wo ich damals lebte und auch noch studierte, vor ca. 7 Jahren ablief. Dennoch, für jemanden, der neun Jahre in der kleinen Universitätsstadt in der Provinz Südniedersachsens gelebt hat, ist es schon unglaublich beeindruckend, wie zwar durchaus unüberhörbar und unübersehbar, aber dennoch vollkommen friedlich, vollkommen frei von gewalttätiger Randale solche Proteste auch ablaufen können. Aber das nur am Rande.
Nachdem wir also erfolgreich gemeinsam mit Herrn Borowski…äh…Milberg die Kieler Woche eröffnet hatten, wurde der Topact des Abends auf der Bühne am Rathausplatz angekündigt: Horst Köhler! Nein, nicht der Bundesverpisser, sondern ein anderer, der Name ist ja auch wirklich nicht gerade einzigartig. Weshalb der, um den es hier geht, auch unter einen Pseudonym unterwegs ist. Es treten also auf:
Gildo Horn und die Orthopädischen Strümpfe!
Spontan beschlossen wir, uns auch das anzusehen und wurden nicht enttäuscht. Wer wie ich den Meister noch nie live gesehen hat und bisher nur seinen Eurovisions-Auftritt von 1998 kannte oder noch nicht einmal den, es soll ja unverständlicherweise immer noch eiserne Eurovisionsverweigerer geben, jedenfalls, dem sei gesagt, wenn ihr jemals die Gelegenheit habt: es lohnt sich!
Schmalzige alte Schlager herzhaft präsentiert, eingebettet in ein Feuerwerk aus Wortwitz und rheinländischem Charme. Begleitet von fast sovielen Outfitwechseln wie bei einem Madonna-Konzert. (Nicht, das ich jemals auf einem Madonna-Konzert gewesen wäre, aber man hört ja so einiges.)
Irgendwann während des Konzerts nahm der junge Mann vor uns seinen Filius auf die Schultern, was mir ein klein wenig die Sicht auf die Bühne nahm. Bei dem reizenden Anblick, der sich nun bot, konnte ich allerdings kaum böse sein:










